Der Raum des Bestatters –
belebt, transformiert, erinnert.

Eine Zwischennutzung des Affspace. Bis April 2021 bespielt der Affspace zu­sätzlich den benach­barten Schau­raum von Egli Bestat­tungen in einer Zwischen­­nutzung. Der Affspace er­in­nert mit der thema­tischen Aus­richtung seines Pro­gramms an den Bestatter, der sich vor vierzig Jahren an der Müns­ter­gasse ein­richtete. In drei Aus­stel­lungen trans­formiert sich der Raum lang­sam und sukzessive bis er eine neue Form und Funk­tion findet.

Aktuell

Verschoben
Das Gespräch mit Barbara Buser kann in der gegenwärtigen Lage leider nicht durchgeführt werden. Es wird in den Frühling verschoben. Neues Datum: 18. März 2021.

Ein Werk aus rezyklierten Zeichnungen. Foto: Mireille Gros.

Mireille Gros

«The Fictional Plant Biodiversity Project»

Eröffnung, 15. Oktober, 18 Uhr

Wie Pionierpflanzen breiten sich in den zwei Räumen die Zeich­nungen von Mireille Gros (*1954 Aarau, lebt in Basel und Paris) aus. Die Aquarelle und Tuschezeichnungen zeigen fiktive Pflan­zen. Seit 1993 bildet sich im Atelier der Künstlerin ein eige­ner Pflanzenkosmos heraus. Es ist eine erfundene Bio­diver­sität, ein Reichtum an imaginierten Er­schei­nungsformen. Das «Le­bens­­projekt», wie es die Künstlerin nennt, geht auf einen prä­genden Besuch von ihr im letzten Urwald von Westafrika zurück, in dem sie eine überwältigende Fauna und Flora entdeckte. Seit­her er­forscht sie zeich­nend diese Vielfalt und lebt sie zugleich in ihrer künst­lerischen He­ran­­ge­hensweise. Jede Zeichnung ist ein neuer Anfang, ein «An­fangs­ein­fangen», wie sie diesen wieder­keh­ren­den fragilen Prozess am Beginn eines neuen Werks be­schreibt. Die Pflanzen entwickeln sich jedes Mal neu aus dem Träger und dem Zeichen­material. Aus­ge­schiedene Zeich­nungen werden zum Humus, aus dem neue Werke ent­stehen: raumg­reifende Instal­lationen aus Papierbändern und -streifen, Bilder aus Pa­pierschnipseln, Objekte wie Zeichenrollen oder sogar Flip-Flops. Nichts lässt Mireille Gros ver­loren gehen, alles wird Teil des Kreis­laufs. Den Ver­schleiss­er­schei­nungen unserer Konsum­ge­sellschaft ant­wor­tet sie mit Nachhaltigkeit; der ge­fähr­deten Bio­diversität, dem Ver­lust an Pflanzen, setzt sie ihre künst­le­rische Imagination entgegen – mit Poesie, Ausdauer und aus po­li­ti­scher Überzeugung.

Ausstellung: 26. Oktober bis 28. November 2020.
mireillegros.ch

Der Affspace ist glücklicherweise nicht von der Schliessung der Museen bis zum 23. November betroffen. Die Ausstellung von Mireille Gros ist zu den üblichen Öffnungszeiten zugänglich. Auch von aussen ist sie gut sichtbar. Trotzdem ist der Lockdown light spürbar und wir möchten Mireille Gros mit einer kleinen Verkaufsaktion unterstützen. In der Bildergalerie finden Sie alle Werke, die erworben werden können. Die Preise entnehmen Sie bitte der → Preisliste. Kontakt: info@affspace.ch

«Als ich kürzlich in einem Traum nach der Zeit fragte,» erzählt Mireille, «wurde mir eine Uhr mit Buchstaben gezeigt. Leicht irritiert erwacht, versuchte ich die Uhr aufzuzeichnen.» Aus dieser Traumzeichnung ist eine kleine Edition speziell für den Affspace entstanden. Sie können sie für 70 CHF erwerben. Der Preis richtet sich nach dem Beitrag einer Mitgliedschaft bei uns im Verein. Der Erlös kommt vollumfänglich dem Affspace zugute. Vielen Dank Mireille!

Vorschau

Fotografie: Daniel Sutter, Zürich, sutterdaniel.ch

Sandra Lemp, Jörg Kühni

«A Post-Globalized Style Book, Vol.1»

Eröffnung, 3. Dezember, 18 Uhr, Finissage 28. Januar 2021, 18 Uhr

Architektur und Be­klei­dung — die Beziehung ist wech­sel­seitig und viel­schichtig. Die Raum­hülle der Archi­tek­tur ist unsere dritte Haut und über­nimmt ähnliche Funk­tio­nen wie ein Kleid. Sie dient dem Schutz, schafft Atmo­sphäre und stif­tet Iden­ti­tät. In der Ära von Insta­gram, digi­talen Bild­pro­gram­men und einer hyper­glo­bali­sier­ten Indus­trie wird die Frage für beide Dis­zi­pli­nen drängen­der, krea­tive Aus­wege aus dem welt­umspan­nenden Ein­heits­brei zu finden.

Die Mode­designerin Sandra Lemp (sandralemp.ch) und der Grafik­designer Jörg Kühni (truc.ch) haben sich dieser Frage ge­stellt und in einem gemein­samen Projekt einen spie­lerisch-ex­peri­men­tellen An­satz für einen indi­vi­duellen und nach­hal­tigen Design- und Her­stel­lungs­pro­zess ent­wickelt. Sie for­der­ten ver­schie­dene Men­schen auf, ihren kind­lichen und jugend­lichen Vor­stellungen über das eigene Erwach­sen­sein nach­zu­spüren, um daraus per­sön­liche Aus­drucks­for­men in der Be­klei­dung heraus­zu­bilden. Daraus gestal­te­ten Sandra Lemp und Jörg Kühni «A Post-­Globa­lized Style Book». Es zeigt foto­grafische Por­träts von zwölf Pro­band*­innen in ihren arche­typischen Out­fits und doku­men­tiert den Weg zum per­sön­lichen Klei­dungs­ent­wurf.

«A Post-Globalized Style Book» wurde 2017 von der Berner Design Stiftung mit einem Förderbeitrag für den Herstellungsprozess unterstützt und hätte an der Ausstellung Bestform 2020 im Kornhausforum präsentiert werden sollen. Wegen der Pandemie konnte diese nicht stattfinden. Wir freuen uns sehr, gemeinsam mit der → Berner Design Stiftung das innovative Projekt im Affspace zu zeigen.

Ausstellung: 4. Dezember 2020 bis 28. Januar 2021.

Friedhof Chacarita in Buenos Aires, Foto: Léa Namer.

Léa Namer

«Chacarita Moderna»

Eröffnung, 18. Februar 2021, 18 Uhr

Mit der letzten Ausstellung der Zwischennutzung widmen wir uns dem Friedhof, einem Raum für die Lebenden und die Toten. Ein städtischer Freiraum, der viel über unseren Umgang mit dem Tod erzählt. La Chacarita in Buenos Aires gehört mit seinen 95 Hektaren Fläche zu den grössten Friedhöfen weltweit. Sein Herzstück bildet der Pantéon Subterráneo, eine zweigeschossige unterirdische Nekropole, die Platz für mehr als 100’000 Grabnischen bietet. Sie entstand in den Jahren 1950 bis 1958 unter der Leitung der argentinischen Architektin Ítala Fulvia Villa (1913–1991), die das Projekt im Namen der Stadtbehörden verantwortete. Die modernistische und brutalistische Architektur, die neue Typologie dieser unterirdischen Totenstadt und die städtebaulichen Beziehungen faszinieren noch heute junge Architektinnen und Architekten. So auch die junge französische Architektin Léa Namer (*1989). Sie konzipierte eine interdisziplinär ausgerichtete Ausstellung mit Filmen, Fotografien, neu gegossenen Maquetten-Skulpturen, Zeichnungen und Plänen. Die Ausstellung hätte in der Alliance Française in Buenos Aires gezeigt werden sollen, wurde jedoch aufgrund Covid-19 geschlossen. Wir haben Léa Namer eingeladen, die Ausstellung in adaptierter Form in Bern zu zeigen.

Ausstellung: 19. Februar bis 10. April 2021.
chacaritamoderna.com

Gespräch mit Barbara Buser
18. März, 18.30 Uhr im Offcut Bern, Meinen Areal, Schwarztorstrasse 76, 3007 Bern (Eingang Gartenstrasse)
Barbara Buser, «Behalten, was schon da ist und sich wiederverwenden lässt», © Armin Schärer.
«Die Beschäftigung mit den 'left overs' beflügelt die Kreativität.» Barbara Buser zur Offcut-Initiative. Bild: Offcut Bern.

Wie geht die Archi­tektur mit Erin­nerung um? Was setzt die Architektur dem Verschwinden entgegen? Im Rahmen der Aus­stel­lung von Mireille Gros reden wir mit Barbara Buser über Kreisläufe und Zyklen in der Architektur. Barbara Buser ist eine Pionierin des Re- und Upcyclings und engagiert sich auf allen notwendigen Ebenen für nach­haltiges Bauen. In Think Tanks, Vor­trägen und Ge­sprächen denkt sie darüber nach, was Nach­haltigkeit in Bezug auf die Ästhetik, die Planung und öko­no­mische Kreisläufe bedeutet. Ihre Firmengründungen wie unter anderen die Bau­teil­börse sind praxis­orien­tierte, unter­nehme­rische Initiativen, um nach­haltige Architektur in unsere Wirt­schaftskreisläufe zu integrieren. Und nicht zuletzt zeigt sie mit ihrem Baubüro insitu immer wieder, wie eine nachhaltige Archi­tektur aussehen kann.
insitu.ch

Das Gespräch führen Paula Sansano und Meret Arnold vom Affspace – Offspace für Architektur.

Die Veranstaltung findet in Koope­ration mit dem Offcut in Bern statt. Ein idealer Ort, denn, der Offcut macht das, was Barbara Buser in der Archi­tektur umsetzt. Er sammelt Ge­braucht- und Restmaterialien, die im Abfall landen würden. Er sortiert, lagert und verkauft diese Werkstoffe für neue Projekte weiter und ver­längert damit ihre Lebensdauer.
offcut.ch

Die Platzzahl ist beschränkt.
Wir bitten um Anmeldung über info@affspace.ch.
Bitte beachten Sie, dass eine Maskenpflicht besteht.
Der Raum ist nicht geheizt. Bitte warm anziehen.

Vergangene Ausstellungen und Veranstaltungen

Artur Klinau, «Minsk – Sonnenstadt der Träume», 2006, s/w-Fotografie (Oktoberplatz), © Artur Klinau.

«L'Œuil extérieur – Neuformatierung des Raumes: drei zeitgenössische Positionen aus Belarus»

Eine Ausstellung der Gastkuratorinnen Iryna Herasimovich (Minsk) und Seraina Renz (Chur) zum politisierten öffentlichen Raum von Belarus.

Eröffnung: 1. Oktober 2020, 18 Uhr 18.30 Uhr Künstlergespräch Antonina Slobodtschikowa (Künstlerin), Michail Gulin (Künstler), Artur Klinau (Künstler, Architekt, Schriftsteller) und Iryna Herasimovich (Kuratorin) reden über die aktuelle Situation in Belarus und die Reflexion in der zeit­genös­sischen Kunst (via Zoom). Ausstellung: 2. bis 10. Oktober 2020
Der Affspace nimmt gemeinsam mit dem Schlachthaus Theater, dem Berner Münster, der Zytglogge Buchhandlung und der Bäckerei Bread-à-Porter» Teil an der von Valerian Maly initiierten und organisierten Solidaritätswoche «L’Œil & Les Oreilles Extérieures» für die Kultur­schaffenden in Belarus.

Unter dem Motto «Hinschauen!» üben sich Schwei­zer Kul­tu­rschaf­fende in der Praxis des «L’œil extérieur» – ein Be­griff aus der Theater­praxis: der auf­merk­sam hin­schauende Blick von aussen. In der Aus­stel­lung sind Ar­bei­ten zu sehen, die sich mit dem öffent­lichen Raum in Bela­rus durch ebenso sub­tile wie von Hü­tern der Ord­nung als sub­ver­siv wahr­ge­nom­mene künst­ler­isch-archi­tek­tonische Inter­ven­tio­nen aus­ei­nan­der­setzen.

Aus­gangs­punkt der Aus­stel­lung bil­det das Buch Minsk – ­ der Träume des Künstlers, Archi­tekten und Schrift­stellers Artur Klinau (*1965 Minsk). Es han­delt sich um ein auto­bio­gra­fisches Essay, dessen eigent­liche Pro­ta­go­nisten die Strassen und Plätze der sozia­lis­tischen Plan­stadt Minsk sind. Sie hätten in der Vision der Sowjets das Tor, den Auf­takt zur wahren städtischen Utopie des «neuen Moskau» bilden sollen. Dieses «neue Moskau» wurde nie ver­wirk­licht, Minsk hin­gegen schon, wie die zahl­reichen Foto­gra­fien vor Augen führen, die Klinaus Essay be­bil­dern. Die Foto­gra­fien, die in der Aus­stel­lung zu sehen sind, zeigen die Fassaden (und manch­mal auch ihr Dahinter), die Pers­pek­tiven und Pros­pekte einer Stadt, die nach dem 2. Welt­krieg fast voll­ständig zer­stört und von Grund auf wieder­auf­ge­baut worden war. Heute sind die Plätze von Minsk die Schau­plätze des poli­tischen Wider­stands. Mit Artur Klinaus präzisen Beo­bach­tungen sehen wir, was hinter den Fassaden reifte – die insze­nierten Ober­flächen sind auf­ge­brochen.

Die Brisanz des öffent­lichen Raums loten auch die Aktionen von Michail Gulin (*1977 Gomel) aus, die in der Ausstellung in zwei Videos gezeigt werden. Mit einigen Assis­tenten trug Gulin 2012 rosa­farbene und gelbe Würfel durch die Stadt und baute sich auf öffent­lichen Plätzen, manch­mal vor be­stehen­den Monu­menten, sein Perso­nal­monument aus den Würfeln – eine Hand­lung, die in Bern wohl kaum regis­triert würde. In Minsk aber wurde diese Inter­vention bereits als eine politische Provo­kation wahr­genom­men. Die Idee des Künstlers, dass sein abstraktes Monu­ment von Passan­t*innen mit einer Be­deu­tung auf­gela­den werden sollte, war damit reali­siert. Die Konse­quenz bestand allerdings darin, dass der Künstler und seine Assis­tenten auf dem Okto­ber­platz, der nach Pro­testen 2006 poli­tisch besonders auf­gela­den war, von Sicher­heits­kräften fest­genommen wurden, nach­dem sie ihr Objekt aufge­stellt hatten.

Mit der Un­möglich­keit eines poli­tischen State­ments im öffent­lichen Raum setzt sich Michael Gulin in Terri­torium des Protests ausei­nander. Von jeman­dem an einer Kette geführt, betritt der Künstler einen Acker ausser­halb der Stadt mit einem Schild bewaffnet, auf dem statt eines Slogans nur ein dicker, roter Punkt prangt. Ohne lesbare Bot­schaft und ohne eine Öffent­lichkeit, dazu durch die Kette gezähmt, performt er einen sinn­losen, in Belarus damals aber einzig mög­lichen Protest.

Die Video­arbeit Rein­heit von Antonina Slobodtschikowa (*1979, Minsk) und Tanya Haurylchyk (*1987, Minsk) ist eine visuelle Reflexion auf die gleich­namige Instal­lation von Slobodtschikowa. Darin liess die Künstlerin weisse Lebens­mittel unter einer Glas­haube lang­sam ver­schimmeln und ver­rotten. Die Kamera beo­bachtet die Zer­setzung, indem sie die Ess­waren vor­sichtig abtastet. Anfangs sind sie sauber, haben ihre eigenen klaren Formen und Texturen. Der Prozess des Verfalls homo­geni­­siert die individuellen Eigen­schaften bis zur Unkennt­lichkeit. Rein­heit ist einerseits eine Ausei­nander­setzung mit der frappieren­den Sauber­keit der Stadt Minsk, anderer­seits eine Reflexion auf Zeit und Zerfall.
Foto: Adrian Scheidegger

Plakatausstellung zum Buch
«Aebi & Vincent Architekten»
De aedibus Reihe, Quart Verlag

Ausstellung: 17. bis 22. September
Im Schaufenster am Casinoplatz Bern

In Zeiten der Pandemie zeigt sich die Be­deutung der Sockelzone einer Stadt. Über die Lauben und Loggien, über die verglasten Fassaden und die Schaufenster öffnet sich das Innere nach aussen: Wir blicken in die Cafès, die Läden und Galerien, in denen wir uns nicht zu dicht ver­sammeln sollen, und wenn, dann nur geschützt hinter Stoff oder Plexiglas.

Der Affspace ist in der jetzigen Situation für eine Präsentation des Buchs über das Werk von Aebi & Vincent Archi­tekten, das jetzt in der De aedi­bus Reihe des Quart Verlags erscheint, zu klein. Wir nutzen deshalb einen weiteren Zwischen­raum. Der Berner Künstler Adrian Scheidegger hat für die Buchvernissage eine Plakat­aus­stel­lung konzipiert, die wir am Casinoplatz präsen­tieren, im Schaufenster des ehemaligen Kleider­geschäfts, das Aebi & Vincent Archi­tekten der­zeit zu einer gastronomischen Lokalität um­bauen. Der Ort passt, die Stadt stellt alles be­reit, was wir brauchen: ein Schaufenster, einen Platz und eine Bar – die nebenan gelegene Asino Bar, die 2018/2019 von Aebi & Vincent Architekten umgebaut wurde.

Das Plakat ist eng mit der Stadt verbunden. Lange Zeit war es das Kommu­nikationsmittel, um im öffentlichen Raum Aufmerksamkeit zu erregen. Aebi & Vincent Architekten nutzen es, um mit den Passanten ins Gespräch zu kom­men. Die über dreissig Plakate zeigen Foto­grafien ausgewählter Werke von Aebi & Vincent Architekten, welche Adrian Scheidegger, Alexander Jaquemet und Thomas Telley über die Jahre aufgenommen haben. Als Ergänzung zum Buch, in dem die Bauten, übersichtlich und sachlich dokumentiert und kontextuell ver­ortet werden, locken uns die Plakate über Atmos­phären, situative Stimmungen, Farben, Licht- und Schattenspiele und abstrahierende Aus­schnitte an.

«Quando progetti una casa, un quartiere, un sentiero pensa sempre alla città!» Der Affspace setzt den Sinnspruch des Tessiner Architekten Luigi Snozzi auf sein Plakat. Seine 25 Apho­ris­men zur Archi­tektur regen Fachleute wie auch Laien zum Denken über Architektur und damit über Menschen und Orte an. Wenn Bernhard Aebi und Pascal Vincent in ihrem Buch er­zäh­len, betonen sie immer wieder ihr Engagement für den öffentlichen Raum, für die Stadt, für die Identität von Orten. Mit der Plakat­aus­stel­lung am Casinoplatz sollen nun die Stadt­gängerinnen und Stadtgänger angeregt wer­den stehen­zu­blei­ben und über die Orte, an denen sie leben, ar­beiten, wohnen und sich aufhalten nach­zu­denken.
Ein Schmetterling fliegt durch die Landschaft der Ardèche. Foto: Alexander Jaquemet.

Alexander Jaquemet
«Wie der Eisvogel Feuer fängt»
Eröffnung, 20. August, 18 Uhr

Ausstellung: 21. August bis 26. September

Leerstand. Der Raum des Bestatters ist aus­ge­räumt. Sarg, Urnen, Stoff­blumen sind ver­schwun­den. Es bleibt der Laden­aus­bau aus den sieb­ziger Jahren, sein Täfer, die tief­gehängte Decke, die apri­cot­farbe­nen Wände.

Wie kann man etwas ein­fangen, ohne es zu zer­stören? Es ist eine grund­legende Frage an die Foto­grafie, die dafür bekannt ist, Augen­blicke auf Papier fest­zu­hal­ten. Alexander Jaquemet (*1978 Biel, lebt in Bern) gibt in seiner Schmet­ter­ling-Serie eine Ant­wort, die un­spek­takulär und gleich­zeitig unge­mein poetisch ist. Seine Schmetter­linge leuchten auf und ver­schwinden wieder im Spiel aus Sonnen- und Schatten­flecken und scheinen auch im gebannten Bild ihren Weg durch die Land­schaft fort­zu­setzen. Alexander Jaquemet, ursprünglich gelernter Forst­wart, ist ein Fotograf, der längst auch in anderen künst­­le­rischen Medien zuhause ist. Im Affspace+ verbin­det er das Ephe­mere mit der Stoff­lich­keit des Bild­trägers und der Materia­lisierung des Raums. Den Raum des Be­statters überzieht er mit einer weissen Kalk­schicht. Sie reinigt und desin­fi­ziert – was für ein uner­wartet wohl­tuendes Wort! Sie schlägt aber auch den Bo­gen zu seinen gross­flächigen mono­chromen Gemäl­den, welche die schwarz­weisse Land­schafts­foto­grafie in eine abstrakte Farb­male­rei über­führen. Die auf der Wand verteil­ten Schin­deln wiederum erinnern an die Schuppen von Schmetter­lings­flügeln, aber auch an den Eis­vogel in Philippe Jaccottets Gedicht, der flüch­tig und zu­fällig erhascht, in unseren Gedanken zu glühen beginnt.
Blick auf den Schosshaldefriedhof vom ehemaligen PTT-Hochhaus, Foto: Dominique Uldry.

Walter Daepp und Markus Niederhäuser
«Fridhof-Gschichte»
Spaziergang, 15. August, 17 Uhr

«Der Schoss­halden­fried­hof schob sich zwischen den damp­fenden Stämmen hervor, ein graues, ver­reg­netes Ge­mäuer. Blatter fuhr in den Hof, hielt. Sie ver­liessen den Wagen, spannten die Schirme auf und schritten durch die Gräber­reihen.» Friedrich Dürrenmatt, «Der Richter und sein Henker»

Autor Walter Däpp und Markus Nieder­häuser, Pfarrer an der Nydegg­kirche, hellen dieses nass­graue Dürren­matt’sche Bild des Schoss­­haldenfried­­hofs auf: Mit ernst­haften, aber nicht nur tod­ernsten Beo­bach­tungen, Er­fah­rungen, Ge­danken und Ge­schich­ten. Ein infor­mati­ver, unter­halt­samer und lebens­­froher Abend­­spazier­­gang über den Fried­hof.

Treffpunkt: Bus-Endstation Zentrum Paul Klee.
Dauer: eineinhalb bis zwei Stunden.
Die Platzzahl ist beschränkt.
Wir bitten um Anmeldung bis zum 13. August auf info@affspace.ch.

Affspace
Münstergasse 4
Postfach 509
3000 Bern 8
info@affspace.ch

Öffnungszeiten
Donnerstag 18 bis 20 Uhr
Samstag 10 bis 12 Uhr

Der Affspace wird getragen vom Trägerverein Affspace, Studio Sansano Architekten und Schneller Immobilien. Das Jahresprogramm wird von der Stadt Bern, dem Kanton Bern und der Burgergemeinde gefördert.

Die Zwischennutzung wird von Egli Bestattungen, der Zunft der Affen und der Bank EEK unterstützt. Wir danken auch all unseren Freunden, Mitgliedern und Gönnern!

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